Kritische Betrachtung zu den heutigen Imkermethoden.

- Fragen zum Nachdenken und überprüfen der eigenen Handlungsweise -

Die Imkerei hat sich in den letzten 10 Jahren besonders rasant entwickelt, während in den Jahrzehnten vorher alles stehen blieb und so gemacht wurde wie Jahrhunderte vorher. Durch moderne Einflüsse,Wissenschaft aber vor allem wirtschaftliches Imkern, entstanden Methoden, die größere Bienenvölker zuliessen und wesentlich größere Honigerträge erbrachten. Während früher 5- bis max. 10 Kg Honig pro Volk geschleudert, erbringt heute ein Volk bis zu 60 Kg pro Jahr.
Diese modernen Methoden, die oft nur den Honigertrag im Auge haben, beachten nicht mehr die Biene als ein besonderes Wesen der Natur, dass die Grundlage für die Erhaltung der Fruchtbarkeit auf der Erde ist.

So wird alles gemacht, daß die Erträge wachsen und die Biene als ein "Ding" angesehen wird, mit dem man alles machen kann. Die Biene wird nicht "wesensgemäß" behandelt. Daunter leidet sie, was wiederum ihr Immunsystem schwächt und damit die Gesundheit.
Imker müssen weltweit wieder darüber nachdenken, welche Verantwortung wir für die Bienen haben.

Der nachfolgende Schriftsatz an den Deutschen Imkerbund formuliert die Problematik genauer und stellt wichtige Fragen.


BRIEF an den DIB: 
 

Dipl. Ing. Georg Peukert
Berater in Bienen und Honigfragen

An die
Vorstände des
Deutschen Imkerbundes e.V
Villiper Hauptstrasse
53343 Wachtberg
                                                                                                                                    6. September 2008
 

Wesensgemäße Bienenhaltung
- zu Problemen in der deutschen Imkerei -
 

Sehr geehrter Herr Reck,

sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes,

ich wende mich in dieser Form an Sie, um auf einige Problemfelder der deutschen Imkerei aufmerksam zu machen, die in das Bewusstsein unseres Tuns gerückt werden müssen. In unserer Verantwortung sind Bienen wie kleine Kinder. Sie können sich gegen Falsches der Imker nicht wehren und sind deshalb unserer Obhut besonders befohlen. Das erfordert umsichtiges Vorgehen und verantwortungsvolles Handeln in allen Bienenfragen. Bienen sind keine „Wirtschaftsbetriebe" und auch kein „Produktionsfaktor", sondern sie gehören seit ewigen Zeiten zu den Trägern der Fruchtbarkeit auf der Erde. Das ist etwas anderes, als dies unser heutiges Denken im ersten Ansatz hergibt. Wir müssen deshalb inne halten und über einige Punkte dringend nachdenken. Dies möchte ich mit meinem Schreiben anregen.

Meine Ansätze schildere ich aus einer erweiterten, höheren Sicht, die naturwissenschaftliche mit geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten verbindet. Die Probleme die wir heute weltweit mit den Bienen haben, hängen ja auch mit einer „Denaturierung" der Bienen (sie ihrem Wesen entkleiden) zusammen, die an vielen Stellen noch nicht so deutlich gesehen werden. Aus diesem „neuen Erkennen", sollen Maßnahmen unseres Handelns abgeleitet werden, die die Bienen dahin zurückbringen, wo sie sein wollen und hingehören. Bienen sind mehr als wir sehen! Sie gehören noch immer zu den „Geheimnissen" der Menschheit. Bedingt durch unsere Zivilisation und daraus folgender einseitiger und allzu wirtschaftlicher Sicht, hat sich die Imkerei in den letzten 50 Jahren vom „Wesen der Bienen" entfernt und sich dadurch in einigen Punkten falsch entwickelt, worauf ich eingehen möchte.

Vor 20 Jahren hatte ich die Gelegenheit, auf dem Wanderimkertag in Aachen den Hauptvortrag zu halten. Das Thema war: „Imkerei im Jahr 2000". Damals war vieles noch nicht bewusst und es bedurfte noch einer langen Zeit, bis ein erweitertes Verständnis heranreifte. Zudem sind die Bienenwissenschaften heute sehr viel weiter gekommen, so das manches, was damals im Dunklen lag, nun erklärt werden kann. 

In diesem Sinne möchte ich folgende Themen ansprechen, die überdacht bzw. geändert werden müssen:

  • 1.) Die Fütterung mit reinem weißem Zucker, bzw. mit Futterfertiglösungen muß auf den Prüfstand, denn so wie weißer Zucker der menschlichen Gesundheit schadet, schadet er auch den Bienen. Es gibt mittlerweile eine Alternative, die jeder Imker ohne Probleme erfüllen kann und die gut für die Bienen ist.
  • * erste Antwort: Zucker, der unumgänglich ist, muß so angereichert werden, dass er dem Nektar entspricht. Dies erreicht man durch Zugabe von Honig und sieben Teesorten (Heilkräuter), die als „Blütendroge" dem Futter zugesetzt werden. Diese Zugaben reichern die Zuckerlösung so an, daß eine der Biene entsprechende natürliche Umsetzung statt finden kann.
  • 2.) Die systematische Schwarmverhinderung, die allen Imkern regelrecht eingebläut wird - bis hin zum Flügelschneiden - bedarf einer geänderten Methode, denn das Schwärmen ist eine „Grundfunktion" eines Bienenvolkes und trägt wesentlich zur Gesundheit der Bienen bei.
  • * erste Antwort: Es gehört mit zu den zentralen Grundkenntnissen eines Imkers, die Völker so zu führen, dass Schwärmen verhindert wird. Da der Schwarmtrieb jedoch etwas naturnotwendiges ist (etwas bienenwesenhaftes) und er nicht komplett unterdrückt werden darf, müsste ein Weg gefunden werden, zukünftig so zu imkern, dass einerseits eine natürliche Volksvermehrung aus den Völkern erfolgt, andererseits da und dort ein Schwarm zugelassen wird, auch wenn er nicht mehr gefunden wird. Wir Menschen können deutlich die „Stimmung" einfangen, die ein abgehender Schwarm am Bienenstand verbreitet. Was erst müssen die Bienen dabei empfinden?
  • 3.) Das Flügelschneiden der Königin. Hier wird aus reiner imkerlicher Bequemlichkeit der Flügel abgeschnitten, damit die Königin nicht ausschwärmt. Der Flügel ist ein „lebendes Organ", dass von Hämolymphe durchströmt wird und der wichtige Stoffwechselfunktionen erfüllt. Ein beschädigter Flügel einer Königin ist somit ein Schaden am ganzen Volk, denn die Königin ist das  „zentrale Organ" des Bienenvolkes. Zudem ist dieser Vorgang die unsinnigste Form der Schwarm-verhinderung, die man sich vorstellen kann. Die Folgen davon sind noch nie untersucht worden. Vor kurzem hat Dr. Pia Aumeier in der Biene dies sogar allen Imkern ausdrücklich empfohlen.
  • * erste Antwort: Dieser Frevel, der aus reiner Bequemlichkeit erfolgt, ist überhaupt nicht notwendig, wenn ordentlich geimkert wird. Zudem ist es für Bienen, die in Schwarmstimmung sind und bereits weggeflogen sind regelrecht grausam, wenn sie wieder ins Volk zurück müssen. Das ist ein Schock ! Stress pur.
  • 4.) Die künstliche Begattung, in der der Königin auf die unnatürlichste Weise die Begattung „zugefügt" wird, so dass man eigentlich von einer Vergewaltigung sprechen kann. Es hat für Bienen einen tiefen Grund, weshalb ihre Begattung in Luft und Sonnenlicht stattfinden muß! Hier wird ein Naturimpuls der Bienen brutal unterdrückt, was mit Sicherheit Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat.
  • * Erste Antwort: Es war nicht nur Prof. Ruttner der immer wieder darauf hingewiesen hat, dass die Bienen „Sonnentiere" sind. Die Königin ist dies noch viel mehr, was sie u.a. an ihrer runden Zelle verrät, gegenüber der sonst sechseckigen. Leicht könnte sie sich im geschützten Stock begatten lassen. Statt dessen fliegt sie zu einem recht gefährlichen Hochzeitsflug aus, um dies in luftiger Höhe zu vollziehen. Dies tut sie, weil ihr „Wesen" mit dem Sonnenlicht zusammenhängt und sie nur dort „richtige" Nachkommen erzeugen kann. Welche Folgen die künstliche Besamung im Labor (und heute bald bei Jedermann) in Wirklichkeit haben, muß dringend geprüft werden und ist nicht einfach mit „Ertrag" und „stechfrei" zu beantworten.
  • 5.) Eine einseitige Züchtung, in der die Biene zu hoher Leistungsfähigkeit und geringer Stechlust gezüchtet wird. Wir haben heute bereits Bienen, denen der „Stachel weggezüchtet" wurde. Das Bienengift hat nicht nur eine Funktion beim Stechen, sondern es ist vor allem ein wichtiger „Motor" im feinen Stoffwechselgeschehen der Hämolymphe. Veränderung im Bienengift in der Biene führen eindeutig zu Veränderungen in der Gesundheit.
  • * erste Antwort: Alles was die Natur an der Biene geschaffen hat, hat einen tiefen Sinn, den wir heute noch gar nicht verstehen. Züchten wir aus rein praktischen und wirtschaftlichen Gründen an der Biene herum, kommt das „naturnotwendige" der Biene nicht zum Zug oder wird unterdrückt.  Wird die Biene beim Stechen verändert, verändert sich auch gleichermaßen die  Bienengiftfunktion, was wiederum Auswirkungen auf die Hämolymphe hat. Beim Züchten müssen wir die Bienen sehen, nicht uns.
  • 6.) Die Mittelwandimkerei ist zwar sehr praktisch und hat lange Tradition, aber sie gibt der Biene ausgerechnet am innersten Punkt einer Zelle „Recyclingmaterial". Der Wabenbau ist jedoch der „Körper" des Bienenvolkes. Er muß deshalb sehr genau betrachtet werden, welche Wirkung das auf das Bienenvolk hat.
  • * erste Antwort: Wir alle wissen, dass ohne Mittelwände der Wabenausbau problematisch ist (Drohnenbau). Es gibt jedoch Methoden, die Alternativen aufzeigen. Im Interesse der Bienengesundheit im Zusammenhang mit dem Wabenbau, müsste versucht werden, andere Wege aufzuzeigen.
  • 7.) Blühende Landschaften werden überall propagiert, aber es wird, so meine ich, vom Imkerbund und den Landesverbänden zu wenig unternommen. Landwirte machen auch heute noch was sie wollen und nehmen auf Bienen und Imkerei keine Rücksicht: „Was interessieren mich eure Bienen"! (Präsident der hessischen Bauern)
  • * erste Antwort: Hier muß mit aller Kraft eingewirkt und „mobil gemacht" werden. Jedes Land muß seine Bauern gezielt ansprechen und anschreiben und dies öffentlich machen.

Das Buch von Prof. Tautz - Phänomen Honigbiene - das kein Imkerbuch, sondern eine verständliche hohe Bienenwissenschaft ist, zeigt in allen Themenbereichen deutlich, dass es bei Bienen um Zusammenhänge geht, die uns Imkern ein neues Verständnis abverlangen. Wir kommen heute zu einem „Sprung des Wissens", das in uns zu einem „Sprung des Handelns" führen muß.  Das ist die Notwendigkeit der Zeit, in die wir alle Imker mit einbeziehen müssen.

Ich bitte um ernsthafte Prüfung meiner Anliegen und biete an, die genannten sieben Punkte und ihre Lösungsansätze vor Ihrem Kreis detaillierter darzustellen bzw. zu diskutieren. Um sich den Problematiken zu nähern, könnte der DIB einen Arbeitskreis gründen, in dem diese Kernfragen fachgerecht erörtert werden, um sie dann an die Imkerschaft in der richtigen Weise heranzutragen.

Gern erwarte ich Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen


Georg Peukert