Reinkarnation und Karma

-  eine vergessene christliche Lehre -


 

„Meine Taten von gestern, sind mein Schicksal von morgen."
 
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Das Labyrinth von Chartres als Symbol für den Weg durch das leben
 
Eine Schrift aus anthroposophischem Weltbild


von Georg Peukert

 

Inhalt:
  • "Meine Taten von gestern, sind mein Schicksal von morgen"
  • Vorspann
  • Historisches
  • Reinkarnation fußt auf einem erweiterten Menschen- und Gottesbild
  • Von der Notwendigkeit
  • Die kirchliche Lehre
  • Die anthroposophische Lehre
  • Eine kurze Beschreibung
  • Zusammenfassende Gedanken
  • Männlich und Weiblich
  • Die Akasha
  • Das Geheimnis vom Bösen bzw. die Theodizeefrage
  • Resume'




„Meine Taten von gestern, sind mein Schicksal von morgen."  

„Wenn unser Leben nur „einmalig" wäre, gäbe es wenig Grund, sich mit den Inhalten vom Sinn des Lebens auseinanderzusetzen, denn alle Mühen hätten wenig Perspektive. Heute z.B. ist die große Triebfeder für das Leben, Erfolg zu haben und glücklich zu sein. Dies ist jedoch eine sehr eingeschränkte Sicht. Erst der Gedanke, dass ein individuelles Leben eine spezifische Aufgabe für einen Menschen ist, seine Seele weiterzuentwickeln und das Richtiges und Falsches durch uns selbst jeweils ausgeglichen werden muß, gibt uns eine Sicht auf das ganze Geheimnis frei. Deshalb muß auf ein Leben ein weiteres folgen, um das vorhergehende auszugleichen, so wie der vergangene Tag den neuen prägt. Nicht Gottes Gnade gleicht das Unvollkommene im Leben aus, sondern nur unser eigenes korrigierendes Handeln, unser Fühlen und unser Denken. Die Grundlage dafür ist die „Wahrheit", in der Gott selbst wirksam ist. Nicht Gott regelt personal, sondern sein uns übergebenes Wahrheitsgesetz. Wir Menschen wurden von der Schöpfung „frei gelassen", um uns unser Schicksal aus eigenem Erkennen frei zu gestalten. Das bringt für jeden Menschen eine eigene große Verantwortung mit sich. Alles was der Mensch während eines Lebens unternimmt bzw. unterlässt, hat konkrete Folgen in einem nachfolgenden Leben. Schicksalsschläge, Krankheiten, Erfolge, Glück und Fähigkeiten, sind selbst erarbeitete Ergebnisse eines vorangehenden Lebens. Da gibt es keinen Zufall. Durch das Erkennen dieser Zusammenhänge wird der Mensch bewusster Gestalter seines Lebens.

„Er wird seines Glückes Schmied".




Vorspann

Die katholische Theologie lehrt uns, der Mensch lebe nur ein einziges Mal. Eine menschliche Seele kommt einmalig und unberührt zur Welt und wird mit der Erbschuld belastet, die ihn schuldig macht. Christus hat jedoch durch sein großes Opfer den Menschen von dieser Erbschuld bereits befreit, so dass der Mensch daran nichts mehr zu tun braucht. Alles was der Mensch im Leben versäumt hat, was falsch gelaufen ist oder chancenlos war, wird am Ende der Zeiten von göttlicher Liebe und Gnade aufgefangen, denn Gott gleicht alles Unvollkommene nach dieser  „einmaligen Inkarnation" aus.

Historisches

In den alten Kulturen auf der ganzen Erde war die Lehre von der Wiedergeburt eine lange Tradition. In Indien, Persien, Ägypten und auch Griechenland, aber auch den anderen Kontinenten wusste man von der „anderen Welt" und dem wandern der Seele von der einen zur anderen Seite. Man lebte noch innig zusammen mit den Vorgängen in der jenseitigen Welt. Das diesseitige Leben wurde zeitlebens auf ein jenseitiges eingestellt. Man verstand das Erdenleben so, dass sich die aus dem Kosmos kommende Menschseele immer mehr in das Erdendasein einleben musste. Der Mensch lernte dabei seinen Zusammenhang mit den himmlischen Welten vergessen und wuchs von Inkarnation zu Inkarnation tiefer in das Materielle hinein, gleichzeitig verlor er das Geistige. Der Plan: er mußte mit der Erde „verwandt" werden. Pythagoras und Platon, die Universalweisen, lehrten in diesem Sinne. Origenes sprach von Seelenwanderung, Novalis von einem jenseitigen Genius unseres Selbstes, das uns führt. Schelling, Herder und Goethe konnten sich den Sinn nur eines Lebens nicht vorstellen, weshalb wir in ihren Werken diesen Gedanken immer wieder vorfinden.

Die Reinkarnationslehre war also immer präsent und bis ins 5. Jahrhundert Bestandteil der christlichen Lehre. Sie gehörte zum sog. esoterischen Christentum, das mit der alten Gnosis in Verbindung stand, während sich ein exoterisches Christentum herausbildete, welches den geistigen Aspekten des menschlichen Daseins wenig Raum ließ. Zur Zeit von Justinian und seiner Kaiserin Theodora wurden die Wende eingeleitet, indem diese alten Wissensinhalte endgültig ausgelöscht wurden, denn sie standen der Entwicklung der damaligen kirchlichen und persönlichen Autorität des selbstherrlichen Kaiserpaares im Wege. Ein Kirchenvolk, dass in einem  Gesetz von Wiedergeburt und Karma selbst Verantwortung für sich übernehmen könnte, kann nicht von einer autoritären Institution geleitet werden. Reinkarnation stand auf einmal der Macht im Wege, vor allem aber der damaligen Kaiserin. Da sie sich als göttlich ansah, duldete sie keine Lehre, die ihren selbstherrlichen  Anspruch untergrub. So wurden alle Tendenzen, die mit Reinkarnation, Seelenwanderung, Präexistenz und der daraus folgenden „Selbstverantwortung" zu tun hatten auf dem Konzil von Konstantinopel 533 verketzert. Und da Lehren noch nicht so verteilt waren, wie wir das heute kennen, bedurfte es keiner allzu großen Anstrengung, diese Inhalte aus den Köpfen und Schriften systematisch zu tilgen. Deshalb wurde in den folgenden 1500 Jahren über diese Thematik nicht mehr gesprochen und alle Welt vergaß die Lehre. Die kirchliche Wissenschaft wurde statt dessen auf das Fehlen dieses so wichtigen Inhalts „modifiziert". Lediglich einige wenige große Geister wie Lessing, Novalis und Goethe verstummten dazu nicht. Reinkarnation findet man konkret, aber auch zwischen den Zeilen, in ihren Werken.


Reinkarnation fußt auf einem erweiterten Menschen- und Gottesbild, wie es in der Anthroposophie gelehrt wird

Der Mensch ist kein „Geschöpf" fernab vom Schöpfer, sondern ein Wesen, dass vor dem Leben bereits eine Präexistens in der göttlichen Welt besitzt.  Aus dieser Welt wird er herausgeboren in die Welt, wird Geschöpf und bleibt mit dem Schöpfer unsichtbar verbunden, der ihn immer mehr befähigt, ein eigenes göttliches Selbst in sich aufzubauen. Die Verbindung mit dem Schöpfer besteht in der menschlichen Seele und ihrem Geist, die aus der gleichen „Substanz" sind, wie Gott selbst. Der universelle Gott schuf aus sich unendlich viele Gotteskeime (menschliche Seelen), die sich im irdischen Leben zu einem weltlichen Wesen entwickeln sollen. Der universelle Gott gießt sich in die Menschheit aus, um in einer Vielheit menschlicher Individualitäten neu zu erscheinen. Der universelle Gott wird individuell, millionenfach. Dieser Plan ist nur möglich, wenn wir von einem dazu passenden Menschenbild ausgehen, dass diesen erstaunlichen Vorgang mitmachen kann. Dieses wahre Menschenbild ist dreigegliedert. Man nennt es eine Trichotomie, bestehend aus drei jeweils selbständigen Einheiten, die sich inniglich durchdringen: dem Körper, der Seele und dem Geist. Das bedeutet, dass der Mensch nicht nur drei sehr grundverschiedene Wesen in sich trägt, sondern zugleich auch ein Bewohner der drei dazugehörigen Welten ist, die wir heute gar nicht kennen:
  • der Leib gehört zu der irdischen materiellen Welt mit ihren physischen Gesetzen
  • die Seele zur Seelenwelt mit Seelengesetzen
  • und der Geist zur Geisteswelt und ihren geistigen Gesetzen,
Alles was der Mensch im Kleinen ist, finden wir im Kosmos wieder im Großen. Makrokosmos wurde Mikrokosmos.

Die leibliche irdische Welt mit ihrer Wissenschaft ist uns soweit klar. Von den beiden letztgenannten wissen wir jedoch nicht viel, meistens garnichts. Deshalb ist unser Lebensverständnis heute so geprägt, dass wir meinen, lediglich Bewohner der irdischen Welt zu sein und mit dem Tod hört alles auf. Es gibt anscheinend kein konkretes  bewusstes Leben nach dem Tode. Wir haben vergessen, dass, wenn der Leib stirbt, die eigentliche Kern des Menschen übrig bleibt und in der geistigen Welt voll bewusst weiterexistiert.

Wir sind deshalb, wie Goethe sagt: „Wanderer zwischen den Welten". Das bedeutet, im Leib sind wir Bewohner der irdischen Welt, ohne den Leib Bewohner der geistig seelischen Welt. Unsere Persönlichkeit, unser Selbst (ICH), liegt in Seele und Geist, während der Leib nur das „Vehikel" ist, um auf der Erde zu leben und Sinne zu erhalten. Man kann auch sagen, wir sind kosmische Wesen „zeitweise" in einem irdischen Leib. Sind wir ohne unseren physischen Leib, nennt man das den Tod. Unsere geistig seelische Persönlichkeit bleibt ohne den Leib voll erhalten und lebt weiter, viel bewusster als vorher. Unbehindert vom Leibe wachen Seele und Geist regelrecht auf.

Der Leib ist deshalb nicht etwas minderwertiges, sekundäres, sondern im Gegenteil, die „Krone der Schöpfung", denn er ist der „Tempel", in dem Seele und Geist während eines Lebens Platz finden und sich in jeder Form äußern können. Ein kosmisches Wesen - der Mensch - kann sich über diesen Leib im Irdischen äußern. Mit den wachsenden Eigenschaften der seelisch geistigen Fähigkeiten der Menschen, wuchs auch die Fähigkeit des Leibes mit. Der physische Leib ist eines der Wunder der Schöpfung und in seiner Form und Gestalt geheimnisvolles Abbild der göttlichen Schöpferkräfte.

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Mit der leiblichen Grundlage ist die menschliche Geist-Seele fähig, zwischen den Welten zu pendeln und sich immer wieder zu inkarnieren mit dem Ziel, mit jeder Inkarnation sich in neue Aufgaben zu neuen Fähigkeiten heranzubilden und sich dem inneren Verstehen der Erde zu nähern. Die Inkarnationen nahmen einmal ihren Anfang und werden einmal ihr Ende finden, so lange, bis die große Aufgabe der Entwicklung des Menschen (von Geist, Seele und Leib), ein vollkommenes Wesen zu werden, erfüllt sind.

Dieser erweiterte Zusammenhang im menschlichen Verständnis, führt uns auch zu erweiterten Antworten auf die großen Fragen des Lebens, mit denen die Reinkarnation innig zusammenhängt:

  • Was ist der Mensch?
  • Wo kommt er her?
  • Wo geht er hin?
  • Was ist die Aufgabe seines Lebens?
  • Welche Verbindung besteht zwischen Gott und Mensch?
  • Welche Bedeutung hat das Böse in der Welt?
  • Gibt es ein Schicksal und welche Freiheit hat der Mensch darin?
In diesen essentiellen Fragen spielt der „Christusimpuls" eine wesentliche Rolle, denn ohne das Hinzutreten des direkten göttlichen Einflusses - den Jesus Christus - kann das Ziel für die Menschheit nicht erreicht werden. Christus, der Gott der Schöpfung, verließ seine geistige transzendente Welt, um sich dort, wo die Menschheit seine Mission erfüllt, als reale geistige Kraft einzubringen. Er ist nicht, wie alle anderen Religionen festgehaltenes Wort, sondern reale göttliche Tat.  Die Schöpfung, die niemals abgeschlossen ist, wird durch den Christusgott auf der Erde fortgesetzt. Deshalb sagt er: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Erdenzeit". Das bringt zum Ausdruck. Christus wird durch diesen Vorgang zum nun „anwesenden Erdengott". In seinem Wahrheitsgesetz, dass die Menschen durch ihre geistigen Fähigkeiten selber erfassen können, leitet er den gerechten Ausgleich aller Taten und Vorgänge. Christus selber ist der „Herr des Karma", dem göttlichen Gesetz von Ursache und Wirkung.


Von der Notwendigkeit der Reinkarnation

Ein einmaliges Leben für einen Menschen macht keinen Sinn! Warum? Weil der Christus-Gott, wie wir gehört haben, die „Freiheit" in alle menschliche Entwicklung eingebracht hat, die Freiheit, aus eigenem inneren Erkennen zu entscheiden, was zu tun und zu lassen ist. Diese neue Fähigkeit ist der „Funke" in uns aus dem heiligen Geist. Unser ICH, unser Selbst, wird von diesem göttlichen Funken benetzt, - angezündet -, damit wir das Göttliche hier im Irdischen aufnehmen können; mit jeder Inkarnation ein bisschen mehr. Diesen Funken müssen wir nun selber zur Flamme werden lassen, um das Gottesziel zu erreichen. Reinkarnation und Karma sind das göttliche Gesetz, um dies zu erreichen.

Wenn Gott nach einem einzigen Leben, an dem dann irgendwann folgenden Weltenende alles ausgleichen würde, wie es die bestehende Theologie erklärt, macht Anstrengung im Leben, die Entwicklung vieler Talente und Fähigkeiten, das Erleiden schlimmster Pein, keinen rechten Sinn, weil ja über allem die Ausgleichung Gottes steht. Dann wird auch unterschätzt, welche außerordent-liche Bedeutung die lange persönliche, menschliche Entwicklung auf der Erde hat, die einen Menschen ein Leben lang antreibt und zu immer vollkommeneren Stufen führt. Am Ende eines Lebens sind wir ganz andere, als am Anfang. Könnte Gott das ausgleichen, wäre Leben mit seinen unendlich vielen Aufgaben und Varianten ohne Sinn.

Hier stoßen wir auf den Schlüssel des „Menschseins", das ausschließlich im irdischen Dasein liegt, weil nur hier die Fähigkeiten des Menschen entwickelt werden können, die im Jenseits, - im Himmel -, nicht möglich sind. Der Mensch ist ein „Werdender"....in der Welt. Was auf der Erde in einem Leben mühselig errungen wurde, wird in den Himmel mitgenommen. Dort steht dieses erarbeitete „Irdische" unumstößlich fest und ist nicht mehr veränderbar, auch von Gott nicht. Was versäumt wurde, ist nicht mehr umkehrbar, auch nicht durch Anerkennung der eigenen Schuld, wie es die kirchliche Lehre sagt.  Versäumnisse und Schuld im irdischen Leben werden zu Defiziten im himmlischen Dasein und Gutes und Vollendetes zur Erhöhung und geistiger Glückseeligkeit werden (das Gleichnis von den 7 Jungfrauen sagt, ich muß vorher etwas einsammeln, um es später zu haben).

Die irdische Existenz ist ein Schlüssel im Verstehen des Menschen überhaupt, weil der „Mensch" im großen göttlichen Geschehen eben ein „irdisch Werdender" und voll für sich verantwortlich ist. Im Gegensatz zu den Engeln, die sich ausschließlich im himmlischen Geschehen dienend entwickeln. Deshalb wurde Gott Mensch, damit der Mensch, der im göttlichen Plan irdisch geworden war, nun wieder göttlich werden kann, mit Hilfe des Christuskraft: „Ich bin der Weg.......zur Göttlichkeit"!  Dann wird verständlich, warum der Mensch als eine neue Schöpfung anzusehen ist.

Unter Gott gibt es nach den Lehren der Scholastik neun Engelhierarchien. Darüber befindet sich die göttliche Trinität, aus der sich das Engelwirken speist. Das Schöpfungsziel der Erde sieht den Menschen als 10. Hierarchie vor: der Anthropos. Er ist dasjenige Wesen, dass sich im Irdischen Dasein entwickeln soll. Der Mensch ist Sinn und Ziel der Entwicklung der Welt und nicht, wie heutige Lehre meint, nur ein Nebenprodukt der Evolution bzw. ein im Abseits liegendes Geschöpf, während Gott in der Transzendenz abseits von allem ist. Das ist zu wenig. Beim Menschen geht es um ein zentrales göttliches Geschöpf, das dazu befähigt ist, aus der ursprünglichen „Geschöpflichkeit" herauszutreten und selber göttlich zu werden. Darin liegt das große Prinzip der Freiheit. Freiheit ist, nicht zu tun und zu lassen was man will, sondern in sich zu erkennen, welche Aufgabe und Verantwortung wir in Gottes Plan haben, um selbst daran mitzuwirken. Freiheit ist Einsicht in göttliche Pflicht und Erkennen der eigenen Verantwortung.


Von der Notwendigkeit der Reinkarnation

Ein einmaliges Leben für einen Menschen macht keinen Sinn! Warum? Weil der Christus-Gott, wie wir gehört haben, die „Freiheit" in alle menschliche Entwicklung eingebracht hat, die Freiheit, aus eigenem inneren Erkennen zu entscheiden, was zu tun und zu lassen ist. Diese neue Fähigkeit ist der „Funke" in uns aus dem heiligen Geist. Unser ICH, unser Selbst, wird von diesem göttlichen Funken benetzt, - angezündet -, damit wir das Göttliche hier im Irdischen aufnehmen können; mit jeder Inkarnation ein bisschen mehr. Diesen Funken müssen wir nun selber zur Flamme werden lassen, um das Gottesziel zu erreichen. Reinkarnation und Karma sind das göttliche Gesetz, um dies zu erreichen.

Wenn Gott nach einem einzigen Leben, an dem dann irgendwann folgenden Weltenende alles ausgleichen würde, wie es die bestehende Theologie erklärt, macht Anstrengung im Leben, die Entwicklung vieler Talente und Fähigkeiten, das Erleiden schlimmster Pein, keinen rechten Sinn, weil ja über allem die Ausgleichung Gottes steht. Dann wird auch unterschätzt, welche außerordent-liche Bedeutung die lange persönliche, menschliche Entwicklung auf der Erde hat, die einen Menschen ein Leben lang antreibt und zu immer vollkommeneren Stufen führt. Am Ende eines Lebens sind wir ganz andere, als am Anfang. Könnte Gott das ausgleichen, wäre Leben mit seinen unendlich vielen Aufgaben und Varianten ohne Sinn.

Hier stoßen wir auf den Schlüssel des „Menschseins", das ausschließlich im irdischen Dasein liegt, weil nur hier die Fähigkeiten des Menschen entwickelt werden können, die im Jenseits, - im Himmel -, nicht möglich sind. Der Mensch ist ein „Werdender"....in der Welt. Was auf der Erde in einem Leben mühselig errungen wurde, wird in den Himmel mitgenommen. Dort steht dieses erarbeitete „Irdische" unumstößlich fest und ist nicht mehr veränderbar, auch von Gott nicht. Was versäumt wurde, ist nicht mehr umkehrbar, auch nicht durch Anerkennung der eigenen Schuld, wie es die kirchliche Lehre sagt.  Versäumnisse und Schuld im irdischen Leben werden zu Defiziten im himmlischen Dasein und Gutes und Vollendetes zur Erhöhung und geistiger Glückseeligkeit werden (das Gleichnis von den 7 Jungfrauen sagt, ich muß vorher etwas einsammeln, um es später zu haben).

Die irdische Existenz ist ein Schlüssel im Verstehen des Menschen überhaupt, weil der „Mensch" im großen göttlichen Geschehen eben ein „irdisch Werdender" und voll für sich verantwortlich ist. Im Gegensatz zu den Engeln, die sich ausschließlich im himmlischen Geschehen dienend entwickeln. Deshalb wurde Gott Mensch, damit der Mensch, der im göttlichen Plan irdisch geworden war, nun wieder göttlich werden kann, mit Hilfe des Christuskraft: „Ich bin der Weg.......zur Göttlichkeit"!  Dann wird verständlich, warum der Mensch als eine neue Schöpfung anzusehen ist.

Unter Gott gibt es nach den Lehren der Scholastik neun Engelhierarchien. Darüber befindet sich die göttliche Trinität, aus der sich das Engelwirken speist. Das Schöpfungsziel der Erde sieht den Menschen als 10. Hierarchie vor: der Anthropos. Er ist dasjenige Wesen, dass sich im Irdischen Dasein entwickeln soll. Der Mensch ist Sinn und Ziel der Entwicklung der Welt und nicht, wie heutige Lehre meint, nur ein Nebenprodukt der Evolution bzw. ein im Abseits liegendes Geschöpf, während Gott in der Transzendenz abseits von allem ist. Das ist zu wenig. Beim Menschen geht es um ein zentrales göttliches Geschöpf, das dazu befähigt ist, aus der ursprünglichen „Geschöpflichkeit" herauszutreten und selber göttlich zu werden. Darin liegt das große Prinzip der Freiheit. Freiheit ist, nicht zu tun und zu lassen was man will, sondern in sich zu erkennen, welche Aufgabe und Verantwortung wir in Gottes Plan haben, um selbst daran mitzuwirken. Freiheit ist Einsicht in göttliche Pflicht und Erkennen der eigenen Verantwortung.


Die kirchliche Lehre

Die kirchliche Lehre sagt, der Mensch ist ein „Geschöpf", das niemals göttlich werden kann. Er ist lediglich „tangiert" von der Liebe Gottes, die in ihn, dem irdischen Geschöpf, hineinwirkt. Gott ist fernab in der unerreichbaren Transzendenz. Dort erlebt er zwar die Schöpfung, ist aber zurückgezogen in seinem göttlichen Sein (der unbewegte Beweger). Mit dieser These wird der Mensch zu einer Marionette im göttlichen Geschehen, während er mit dem nachfolgend formulierten erweiterten Gottesbild und der Lehre der Reinkarnation sich selbst gestaltet. Je mehr ihm das bewusst wird und er danach handelt, um so vollkommener wird er.

In der Reinkarnationslehre tritt also die Bedeutung eines zur Vollkommenheit sich entwickelnden Individuums klar hervor, während kirchliche Theologie ausschließlich auf „kirchliche Gemeinschaft" setzt, verbunden mit der immer waltenden göttlichen Liebe und Gnade Gottes, die letztlich alles richtet. In dieser Tradition wird die Vollendung des Menschen in einer einmaligen irdischen Existenz angesiedelt. Das „Vollendungsgeschehen" kommt schon mit dem Tod des Menschen zum Abschluss (auch wenn er nur wenige Monate alt wurde). Nach traditioneller kirchlicher Auffassung wird der Mensch während eines nicht genau zu definierenden „Zwischenzustandes" vom Tod bis zur Auferstehung  - am Ende aller Zeiten -, von Gott belohnt, bestraft und gereinigt, um dann in der göttlichen Liebe aufzugehen, egal was er gemacht hat. Nach neueren katholischen Entwürfen wird diese „Vollendung" heute bereits in den Tod des einzelnen Menschen verlegt.

Die Kirche lehnt damit die Selbstverantwortlichkeit und die Selbst-entwicklungsnotwendigkeit des Menschen ab. Ihre Lehre sagt, der Mensch „in der Erbsünde" lehre uns nicht Selbstverantwortlichkeit für das Böse, das er tut oder das ihm zustößt, gilt, weil Christus bereits in seiner Auferstehung die Macht der Sünde „im Prinzip" entmachtet habe. Deshalb ist der Einzelne dem nicht mehr ausgesetzt! Er geht zwar durch ein Läuterungsfeuer für seine Verfehlungen, aber die Gnade und Liebe Gottes aus der Auferstehung nimmt ihn bedingungslos auf.

Damit gibt es auch keine plausible Erklärung für das Böse in der Welt, dass so manches Leben an den Abgrund führt. Man sagt deshalb: Die Unerklärbarkeit des Bösen, welches unter dem allmächtigen Guten wirkt, muß ausgehalten werden, indem sich die Menschen in der Gemeinschaft beistehen, um das daraus entstehende Leid zu mildern. Das Kirchenvolk soll darauf vertrauen, dass alles Leid in die Liebe Gottes eingebunden ist, die letztlich alles unentgeltlich (gratia/Gnade) ausgleicht. Deshalb findet man in der kirchlichen Gemeinschaft, in der der hl. Geist wirkt, das Heil.

Katholische Lehre fragt weiter: Warum muß jedes einzelne Menschenleben durch sich selbst, durch eigene sittliche Leistungen so vollkommen werden, dass es dem Ideal entspricht, wenn Gott dies in seiner unendlichen Liebe und Gnade von sich aus tut? (was man aber nicht sicher weiss). Welches merkwürdige Vollkommenheitsideal steht deshalb hinter dieser Lehre von Wiederverkörperung und Karma, wo ein Gott den Menschen seine Verfehlungen selbst ausbaden lässt und diese nicht in göttlicher Großmut einfach ausgleicht?

Ihre rettende katholische Alternative ist: sich auf die „christliche Hoffnung" zu beziehen, die darauf vertraut, das endgültig erfülltes Leben spontan und unverdient geschenkt werden kann (also keine Selbstverantwortung). Dieses Prinzip nennen sie „die christliche Hoffnung". „Gott drückt den Menschen an sein Herz, damit er vollendet werde".

Weiterhin wird gesagt, Gott ist unendlich. Der Mensch dagegen endlich, weil er ein Geschöpf ist. Das Geschöpf bleibt ewig Geschöpf (wie schrecklich). Unsere menschliche Seele ist deshalb nur „Antwortorgan" Gottes, der aus seiner Unendlichkeit uns lediglich antippt. Aus diesem Zusammenhang heraus lässt uns Gott nicht fallen, egal was wir machen, weil er uns liebt.

Beispielhaft ist, wie z.B. zu dem besonderen Phänomen argumentiert wird, wenn ein Kind gestorben ist, das ja noch nicht seinen Lebensplan verwirklicht hat, also die volle Freiheit der Entwicklung nicht zum Einsatz kam, bzw. für alle, die im Leben zu kurz kamen: „Auch sie brauchen angesichts dieses Gottes ebenso wenig wie der schuldig gewordene Mensch, also der seine Freiheit missbraucht habende Mensch,  durch Wiedergeburt eine neue Chance hier auf der Erde, um sich zu einer Lebenserfüllung hochzuarbeiten. Nein, gerade den Ärmsten und Unschuldigsten unter seinen Geschöpfen ringt die Begegnung mit der Güte Gottes ihre ganz persönliche, unendlich beglückende und all ihre individuellen Möglichkeiten restlos erfüllende Vollendung !"

Diese Fundamentalaussage vernachlässigt, dass die Kindheit sich dadurch auszeichnet, dass in dieser 21-jährigen Phase (3x7), die uralte aus dem Kosmos kommende Menschenseele sich erst langsam in den Leib und die Welt inkarniert, und lernt, mit der Welt umzugehen. Schritt für Schritt dringt der hohe Geistkeim des Menschen in das Irdische ein.  In drei mal 7 Jahren muß sich die kosmische Geistseele jede Stufe des irdischen Seins erarbeiten. Da wird nichts geschenkt. Kann eine Kindheit wegen eines frühen Todes sich diesen wunderbaren Weg zum Leben nicht erarbeiten,  kann dies niemals von Gott so einfach ausgeglichen werden, denn dann wäre aller irdischer Werdegang durch die Kindheit ohne Sinn!

Die „Vollendung" des Menschen aus dem kirchlichem Glauben heraus geschieht angeblich durch die Vergebung aller Schuld, wenn der Mensch sich „bekennt". Vollendung durch Vergebung! Die vergebende Liebe Gottes.

Und die Aufarbeitung des Menschen besteht darin, seine Fehler zu benennen (nicht, sie konkret zu verändern). Alleine dadurch wird die Vergebung akzeptiert. Die Seele wird „ausgefegt" von allem Falschen und Unreinen. Das tut weh (Fegefeuer). Aber die versöhnende Liebe befreit, gleicht aus und heilt dann alles.

Zum Schluß geht die kirchliche Aussage so weit zu sagen (Kehl): „Wegen des gütigen Gottes braucht kein Mensch irgend ein aufgestelltes Maß an sittlicher Vollkommenheit oder menschlich geglücktem Leben zu erreichen, um selig zu werden. Er muß sich nur unbegrenzt lieben und sich in die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern in Gott aufgenommen wissen (ein Kind, ein Behinderter, ein Armer). Wo wir aus diesem Vertrauen heraus leben und sterben, brauchen wir keine Wiedergeburt keine besserer Chance an Heil und Vollkommenheit".


Die anthroposophische Lehre

Ganz im Gegensatz dazu steht die Reinkarnationslehre, wie sie von Dr. Rudolf Steiner als erstem Philosophen in der Neuzeit für das Christentum detailliert beschrieben wurde. Das Wirken Rudolf Steiners hatte zum Ziel, die christliche Lehre in einem großen Impuls zu erweitertem Verstehen zu öffnen. Dieser Impuls ging jedoch verloren, weil der Papst in einem Edikt von 1918 die Schriften Steiners für alle Katholiken verboten hatte, so dass das große geisteswissenschaftliche Werk Steiners in der gesamten Wissenschaft ausgeblendet wurde.

Erschwerend kommt hinzu, dass Reinkarnation und Karma kann nicht durch eine kurze Beschreibung verstanden werden kann. Um sich den Inhalten zu nähern, muß das gesamte Lehrgebäude bemüht werden, bis hin zur Schöpfungsidee des Menschen.

Demnach hat sich der allumfassende Gott, das absolute Wesen des Seins,  der     Vater, in einer Methamorphose in den Sohn verwandelt, um aus seiner unerreichbaren Transzendenz als Gott in die Welt treten zu können. Der Vater im Zustand des Seins ist nicht in der Lage, in der Welt weltlich zu handeln. Ihn kann man als ein „unendliches bewußtseintragendes Kraftfeld" im All verstehen.

Um die Welt zu erschaffen, musste er sich zu einem anderen Wesen „verwandeln", dass dies kann und das sich gleichzeitig in die Welt als konkretes göttliches Wesen mit einbringen kann. Der Gott des Seins wird so zum Gott der Welt. Dieser „Weltengott" wird Christus genannt (der 2. Logos). Er wird im Prolog des Johannes Evangelium beschrieben: „Im Urbeginne war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Durch es ist alles geworden...". 

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Dieser Weltengott Christus, hat am Ende seines irdischen Wirkens einen „Funken" aus seinem göttlichen Wesen in jeden Menschen eingesenkt. Das Prinzip des heiligen Geistes (der 3. Logos). Gott gießt sich in die Menschheit aus. Mit diesem heiligen Geist bekommt der irdisch gewordene Mensch die Fähigkeit, sich aus der materiellen Welt wieder herauszuschaffen und eine Existenz in der göttlich geistigen Welt vorzubereiten. Der Mensch wird „erlöst" aus dem irdischen Dasein, d.h. seine stoffliche Leiblichkeit löst sich nach dem Tode auf, und Seele und Geist erhalten eine „neue Kraft", sich in die göttliche Welt wieder einzubinden und „die Form" des weltlichen Leibes in die geistige Welt mitzunehmen (das ist die Auferstehung). Durch Christus kann der Mensch seine materiellen Anteile zu Geistigem verwandeln, um dadurch zu einem himmlischen Sein zu kommen. Der Körper darf nicht verloren gehen, aber er muß „transformiert" werden. In diesem Vorgang steckt der Weg der „wahren Gnade", die nur wirksam werden kann, wenn sich der Mensch selbst bemüht und nicht passiv auf die Erlösung Gottes wartet. Er muß diese ihm übergebenen „heiligen Kräften" selber erkennen und ergreifen. Eine Frage des Bewusstseins.

„Nur wer ewig strebend sich bemüht, den werden wir erlösen...., sagt Goethe in seinem Faust wissend und sehr deutlich.

Mit dieser neuen inneren Kraft, der Christuskraft, kann sich der Mensch, die menschliche Seele, von Inkarnation zu Inkarnation läutern und zur Vollkommenheit führen. Dann erst wird Gott den Menschen immer mehr an sein Herz nehmen, wenn der Mensch es selber aus eigener Kraft bewirkt hat. Der Mensch erhält die Kraft zur Erlösung, muß sie jedoch selber bewirken. Darin liegt das Prinzip der „wahren Freiheit": der Mensch tritt aus eigenen Kräften und eigenem Verstehen in göttliche Fähigkeiten, die Erlösung, ein.


Eine kurze Beschreibung aus anthroposophischen Sicht

Nachdem in den letzten 1500 Jahren so ziemlich alle Quellen zur Wiedergeburtslehre vernichtet wurden, gibt es heute nur eine Institution, die uns verlässliche und tiefergehende Angaben zur Reinkarnationslehre auf christlichem Fundament machen kann. Das ist das umfangreiche WerkRudolf Steiners, der in einer fast 400-bändigen Schrift, Hintergründe und Zusammenhänge unserer irdischen Welt mit der geistigen Welt und seine Gesetzmäßigkeiten im Detail geschildert hat. Einen großen Teil davon nimmt die Wiedergeburtslehre ein. Die Inhalte stammen aus seinen sogenannten „geistigen Forschungen", die Rudolf Steiner über Jahrzehnte betrieben und wissenschaftlich untermauert hat (siehe Akasha).

Demnach besteht das nachtodliche Leben, oder wie RS es nennt, „das Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt" aus vier Phasen:

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  1. Mit dem Tod trennt sich der physische Leib (1. Leichnam) von seinen „geistigen Leibern", dem Ätherleib, dem Astralleib und dem ICH. Während der mineralische Körper  (der Leib) zerfällt, steigen die Geistleiber auf und werden „wesenhaft" (sie „verwesen"). Der physische Mensch wird nun von einer Minute zu anderen ein geistiges Wesen, so dass man sagen kann, der Mensch ist ein geistiges Wesen in einem irdischen Leib.
  2. In der nun folgenden Phase hält der Verstorbene, die aufsteigende Geist-Seele - befreit vom Leibe -,  Rückschau auf ihr vergangenes Leben. In einem umfassenden Erinnerungstableau nimmt sie alle Ereignisse ihres Lebens wahr. Diese sind im sog. Ätherleib (der Vitalleib) als einer Art von universellem Gedächtnis abgelegt und enthalten alle Vorgänge des Lebens und ihre Stimmungen. Die Empfindungen dazu sind jedoch vorerst noch abgetrennt. Es handelt sich also um die reinen Tatsachen des Lebens. Nachdem diese lebendigen Bilder in einer ersten nachtodlichen Phase in vollem Bewusstsein von unserer Seele durchlaufen und bearbeitet werden, löst sich der Ätherleib auf (dies ist der  2. Leichnam) und geht in den Weltenäther ein, wo er eine neue Kraft in der Evolution wird. Astralleib / Seele und ICH bleiben zurück. Ein Extrakt des Durchlebten wird im ICH für immer aufbewahrt. Es verbindet sich mit den Extrakten aller bisher gelebten Leben. 
  3. Nun beginnt die Phase der Läuterung, das sog. Kamaloka oder Fegefeuer. Unter der Herrschaft des  ICH (der geistige Teil des Menschen aus Gott) läutert sich der Astralleib (der Sitz der Begierden, Emotionen und aller persönlichen Regungen) von allen Leidenschaften, und irdischen Bindungen. Das verursacht tiefe seelische Schmerzen und  dauert etwa 1/3 der Lebenszeit. Das Erdenleben wird dazu rückwärts durchlebt (im Kosmos ist alles umgekehrt zu hier). In einem weiteren Durchlauf wird dann nicht die eigene Empfindung zum jeweiligen Ereignis vermittelt, sondern die der anderen Beteiligten, so dass das Verhältnis zu den Taten eine neue Dimension erhält. Alle Beurteilung unseres Tuns und Denkens erfolgt in jedem Durchlauf aus der Gesetzmäßigkeit der Geisteswelt heraus, also der göttlichen Ordnungen, die dem Verstorbenen in diesem Zustand zugänglich ist. Nicht Gott beurteilt, sondern der verstorbene Mensch selbst, im Einklang mit den göttlichen Gesetzen, zu denen er nun Zugriff hat. Danach fällt der Astralleib als 3. Leichnam ab und geht gereinigt in die Astralwelt (Weltenseele) ein. Zurück bleibt zum Schluß das menschlich ICH, unser wahrer Wesenskern.
  4. In der letzten nachtodlichen Phase betritt dieses ICH (das wahre Geistige des Menschen), nun frei von allem Irdischen, die „geistige Welt". Hier wird es auf dem Entwicklungsstand, an dem es nach der langen Läuterung steht (was es sich errungen hat), durch höhere geistigen Wesen und Engel weitergebildet. Es erhält nun als gereinigtes geistiges Wesen höhere Einsichten in die Schöpfung und sieht Absichten und Ziele vergangener und zukünftiger Leben und bereitet weitere Inkarnationen vor. So gewinnt der Mensch im Geisterland Einsicht in Mängel und Versäumnisse, die er im vergangenen Leben verursacht hat. Daraus entsteht der tiefe Drang nach Wiedergutmachung in einem weiteren Erdenleben. Ein selbstgeschaffenes Schicksal (Karma), soll im kommenden Leben Aufgaben so gestalten, dass das vergangene und Fehlerhaftes ausgeglichen wird. Ein Prinzip der Wiedergutmachung. Die „Verstorbenen" helfen zudem mit - unter der Leitung höherer Wesenheiten - bei der Umgestaltung der Welt (aus geistigen Kräften heraus). Rudolf Steiner sagt: Ein gewisser Teil der Weltenordnung und des Menschheitsfortschrittes beruht darauf, dass die Toten „inspirierend" in das Leben der Erdenmenschen hereinwirken. Dies ist uns Lebenden normalerweise nicht bewusst. Alle Verstorbenen sind in der Zeit vom Tode bis zu einer neuen Geburt tätigt, um das, was sie in der Welt errungen haben zu reinigen und in den göttlichen Plan mit einzuarbeiten.

Zusammenfassende Gedanken

Die hohe Bestimmung des Menschen, ein Gotteswesen zu werden („dich habe ich nach meinem Ebenbild geschaffen"), das Begreifen seines individuellen Schicksals, in dem er sich selbst gestaltet, das Verstehen, warum wir hier auf der Erde in einem Leibe sind und welchen Sinn das Leben hat - die Beantwortung kann einzig und allein nur aus den höheren Wissenschaften gefunden werden. Als eine solche sieht sich die Anthroposophie: die Weisheit vom Menschen. Sie ist dazu angelegt, den Menschen dieses heute noch unbekannte Wissen verstehend nahe zu bringen.

Die Gesetze des „geistigen Lebens", das unsichtbare Wirken zwischen geistiger und irdischer Welt, ist naturwissenschaftlich nicht ergründbar, sondern ausschließlich aus geistigen Gesetzen heraus. Zu diesen gehört auch das ewige Gesetz von „Ursache und Wirkung", das Karma.

Reinkarnation, Wiederverkörperung auch Seelenwanderung genannt bedeutet, der Mensch lebt nicht nur einmal, sondern immer wieder. Das Prinzip: der ewige Menschengeist sucht sich in immer neuen Leben und Körpern jeweiliger Kulturen Aufgaben, in denen er sich weiterentwickeln kann. „Menschlicher Geist" ist das Ergebnis, was vorhergehende Leben aus ihm gemacht haben. Unser Geist wächst und wird um so vollkommener, je mehr wir in der Welt durchlebt haben. Dieses Durchleben ist das „Öl" für das „Licht auf der anderen Seite", der Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt. Alles was der Mensch auf der Erde erlebt, bewahrt die Seele auf und übergibt es an den ewigen Geist. So wie wir auch unsere Taten von Gestern über Nacht in uns aufbewahren und am folgenden Morgen an sie anknüpfen. Dann erwartet uns als Folge das, was wir am Vortage getan haben. Deshalb nennt man den Schlaf auch den kleinen Tod. Genauso knüpfen wir in einem neuen Leben an das an, was wir vom alten Leben vorfinden.

Bei der Betrachtung vieler Leben in einem Reinkarnationsgeschehen verschwindet die Unklarheit, die bei Betrachtung nur eines Lebens immer entsteht. Alle scheinbaren Ungerechtigkeiten verschwinden, denn die Sicht reicht weiter. Es wird verständlich, warum der Gute oft leiden muß und der Böse glücklich ist, denn das ist aus einem Leben oft nicht zu erklären.

Ein weiteres Prinzip vieler Leben ist, das sich der menschliche Geist, die Geistseele, in jeder Verkörperung mit der Welt weiter bekannt macht und sich dabei immer mehr mit der Welt verbindet (das nimmt die Seele mit). Die Menschenseele, ein kosmisches Wesen, wird immer irdischer und nimmt dabei Weltliches an. Ein göttliches Wesen kann das nicht, denn es ist im Zustand des Seins. Der Mensch erfüllt in dieser Aufgabe den Auftrag Gottes, die Welt während seines Lebens in sich durch Wahrnehmung und Verstehen aufzunehmen, so daß er am Ende die Welt in sich trägt (geistig, verstehend). Das, was Gott als Welt aus dem Weltengeiste  heraus geschaffen hat, entsteht durch viele, viele Wiederverkörperungen nun im Menschen. Die „Natur" verwandelt sich zum Menschen. In diesem Tun (nach unten) wurde der Mensch von Christus „erlöst", denn er konnte sich allein aus diesem irdischen Weg nicht mehr befreien. Mit Christus finden wir göttliche Kraft „zurückzugehen", angereichert mit den irdischen Erfahrungen. Am Ende wird nicht nur der Mensch erlöst, sondern auch die Natur bzw. die ganze Erde, die ein Teil Gottes sind. Deshalb ist der Mensch ein zentrales Wesen im Schöpfungs -und Erlösungsgeschehen.

Und je mehr Verkörperungen, je mehr Anstrengungen der Mensch hinter sich hat, um so mehr Anreicherungen finden wir in seinem Geistwesen vor. Es wird in ihm immer heller und er tritt der Welt immer bewusster von Inkarnation zu Inkarnation entgegen, was vorher nur in dumpfer Bewusstheit geschah. Der Zwang der „Umwelt" (Vorgaben, Gesetze, Zwänge) nimmt ab, damit sein Geist zunehmen und immer selbstbestimmter werden  kann. Bis endlich ein individueller Geist entstanden ist, der sich aus sich selbst bestimmen kann: ein „freier Geist", der letztendlich zu einem freien Handelnden wird. Das ist das Ideal aller menschlicher Entwicklung.


Männlich, Weiblich

Das Gesetz von Reinkarnation und Karma ist so weisheitsvoll eingerichtet, dass es zwischen männlich und weiblich systematisch ausgleicht was heißt,  eine männliche Inkarnation wird das nächste Mal auf jeden Fall eine weibliche und umgekehrt. Damit wird ein vollendeter Ausgleich zwischen den so unterschiedlichen Eigenschaften und damit verbundenen Problemen des Männlichen bzw. Weiblichen Prinzips geschaffen.

Rudolf Steiner spricht zudem von den Zeiten zwischen den Inkarnationen. Demnach ist es so, dass vom grundsätzlich angelegten Plan, zwischen einer männlichen Inkarnation und einer weiblichen etwa 1000 Jahre liegen. In der geistigen Welt werden jedoch erst beide zusammen erst als eine zusammengehörige Inkarnation gesehen, was zu einer Reinkarnationszeit von ca. 2000 Jahren führt. Das ist die Zeit, in der die Sonne durch ein Sternbild im Tierkreis gelaufen ist, also 1/12 des Sonnenjahres von 22.600 Jahren. Dies entspricht etwa dem Zeitraum einer Kulturepoche, so dass ein Mensch in einer bestimmten Kulturepoche mindestens einmal (männlich/weiblich) geboren wird und die Impulse daraus mitnimmt.

Die genannten Zeitangaben sind jedoch nicht feststehend, sondern werden durch vielfältige Lebens-Ereignisse (Schicksale) verändert. Kriege, Unglücke, Schicksalsschläge führen dazu, dass andere Rhythmen zum Tragen kommen und eine  Wiedergeburt auch sehr schnell erfolgen kann (z.B. nach Kriegen). Im göttlichen Plan ist alles so angelegt, das in der „allgemeinen Regel" eine Vielzahl von Varianten Platz hat. In Wirklichkeit ist alles in einem lebendigen Fluss, der von unserem Tun jeden Moment beeinflusst wird. 

Durch den Eintritt des Christus in die Erde, wurde der Christus zum Herr des Karma und das Geschöpf Mensch zum Selbst-Schöpfer.


Was ist die Akasha

Reinkarnation und Karma sind nur zu verstehen, wenn der Begriff der Akasha mit eingeführt wird. Mit diesem uns unbekannten Begriff können wir nicht viel anfangen, denn er kommt in unseren Wissenschaften und Sprachgebrauch nicht vor. Er gehört seit altersher zu den Geheimnissen der Menschheit, die uns heute erst zugänglich sind. Rudolf Steiner hat zum ersten Mal öffentlich über die Inhalte gesprochen und dazu detailliertes Wissen hinterlassen.

Die Akasha ist das „Buch des Lebens" oder das „Weltgedächtnis". Sie ist als eine „immaterielle  Datenbank" zu verstehen, in der alle Vorgänge des Leben aller Menschen gespeichert werden. Dazu gehören auch alles Denken, die Gefühle und alle Willensakte. Jede einzelne Tat, jede Stimmung, jedes Motiv eines jeden Menschen wir darin aufbewahrt. Alle Lebensabläufe sind dort im Detail hinterlegt. Mit dem Weltgedächtnis, das ein Teil Gottes ist, wird es möglich, dass Menschen nach ihrem Tode auf ihr Leben umfassend zurückblicken können. Was wir vergessen haben, bewahrt die Akasha auf und stellt es in der nachtodlichen Betrachtung und Selbst-Beurteilung  zur Verfügung. Wir sind dann umrahmt von allen Ereignissen unseres Lebens, nicht traumartig, sondern voll bewusst und real, verbunden mit unseren persönlichen Eigenschaften.

Zu Lebzeiten zu wissen, dass da ein Weltgedächtnis ist, in dem unser gesamtes Tun festgehalten wird, könnte zu einem sehr bewussten Umgang mit unserem sozialen Leben führen, denn man weiß nun, nichts geht verloren und alles hat seine Konsequenzen.

Es gibt Menschen, die in der Akasha „lesen" können. Dies gilt und galt für alle Zeiten der Geschichte. Diese „Menschen" nennt man die Eingeweihten, denn in der Regel erreicht man diese Fähigkeit nur durch eine Jahrzehntelange geistige Schulung. Oft waren die Orte dafür die sog. Mysterienschulen, in denen alles höher Wissen gepflegt wurde.  Lesen in der Akasha heißt, in der Welt des Geistes rein geistige Inhalte aufzunehmen, sie zu verstehen und für den weltlichen Verstand umzusetzen. Das ist eine ungewöhnlich schwere Aufgabe, die viele Inspirierte nicht geschafft haben, deshalb waren ihre Niederschriften oft chaotisch. Einer der großen in dieser historischen Gemeinschaft der Eingeweihten war Rudolf Steiner, der als erster seine geistigen Schauungen auch wissenschaftlich untermauerte und entsprechend darstellen konnte. Viele Inhalte seines umfassenden Werkes stammen aus dieser Quelle. Nur damit ist zu erklären, weshalb seine Schriften Wissen enthalten, dass es vorher noch nicht gab. Man kann daher von der Anthroposophie als einer neuen christlichen Offenbarung sprechen. „Anthroposophie" ist kein weltliches Wort, sondern ein göttlicher Begriff für den Weg des Menschen zurück zur Göttlichkeit. Der Mensch verbindet sich mit der göttlichen Weisheit und Liebe:  der Anthropos-Sophia.


Das Geheimnis vom Bösen bzw. die Theodizeefrage

Keine Religion ist schlüssig, wenn sie die Frage nach dem Bösen nicht genau erklären kann. Heute rankt sich um alle Religionen dazu etwas nebulöses. Auch die katholische Religion kann dazu wenig konkretes zu sagen. Rudolf Steiner hat erstmalig in seinem großen Werk zu dieser Thematik umfangreiche neue Wissensinhalte beschrieben, die das Böse im Detail erklären.

Demnach ist es so, dass das Geheimnis des Bösen den Menschen lange Zeit verborgen wurde. Erst in unserer heutigen Zeit sind wir mit unserem Bewusstsein in der Lage, die durchaus schwierigen Hintergründe darzustellen und zu verstehen. Rudolf Steiner schildert, dass auch „das Böse" reale geistige Wesen sind, genau wie die Göttlichen. Gutes und Böses steht sich „gegenüber" und der Mensch mit seiner „anfälligen" Seele steht dazwischen. Der göttlichen Trinität steht eine antigöttliche Trinität entgegen.  Beim Bösen handelt es sich um vor Urzeiten von Gott abgefallene Engel, die in ihrer neuen gottfernen Rolle alles tun, die Entwicklung des Menschen aufzuhalten. Sie sind der „Widerstand" an dem sich die menschliche Entwicklung die Freiheit erringen muß. Für diese Aufgabe sind die sog. Widersacher dreigeteilt, weil jeder ihrer jeweiligen Wirkbereiche ein anderes „Prinzip" verkörpert. Die Menschheit soll auf drei Wegen verführt werden und „vom Weg zu Gott abzukommen". Sie werden wie folgt benamt:

Luzifer (der falsche Lichtbringer), der, der die Menschen in ihrem emotionalen Bereich trifft, bei Ausschweifungen, Süchten, Begierden, falscher Magie, Drogen, Alkohol, Sexualität etc.. Er ist die unsichtbare Kraft, die die Menschen dahinein  treibt.

Ahriman, auch Satan genannt, (der Vermaterialisierer) ist derjenige, der den Menschen in den Bereichen des rein Materiellen, der Macht, unmenschlicher Technik, unsoziale Strukturen, Geldsystemen und Ausbeutung jeder Art beeinflusst. Wo Ahriman ist, geht es hart und kalt zu. Er will weg von der weisheitsvollen Führung Gottes, sondern zur Regierung alles Materiellen.

Die Asuras (die Kulturzerstörer) verkörpern die dritte Kraft des Bösen. Das sind die, die die Menschheit in allen Kulturfragen angreifen: Religionen, Weisheiten, Kunst, Sprache, Musik, Geisteswissenschaften. Der Verfall in diesen Bereichen bringt das Fundament der Menschheit gänzlich zum wanken.

Sinnlich oder wissenschaftlich kann die drei Antikräfte kaum jemand unterscheiden und feststellen, wer von ihnen gerade seine Macht ausübt.

Das grundsätzliche Geheimnis aller drei ist jedoch, kaum erkennbar zu sein: „den Teufel spürt das Völkchen nie und säß er ihm im Nacken" /Faust. In einem katholischen Brevier über das Wesen der Teufel steht am Anfang: „Die größte Macht des Teufels besteht darin, den Menschen einzureden, dass er nicht existiere". Dieses Phänomen steht bei der Bedrohung durch das Böse im Vordergrund: sie verbergen sich bei allem, was uns erscheint.

Daraus ist der Rückschluss zu ziehen, daß das Böse, das der Mensch tut, von diesen Widersachern in unserer Seele initiiert wird, so wie die göttlichen Kräfte das Gute einbringen. Nur unser Glauben und unsere Tugenden sind ein Schutzschild dagegen. Schwächen in unsere Seele sind die  „freien Felder", in denen sich diese Kräfte einnisten können. Stärken wir uns in Seele und Geist, sind wir immun gegen diese Verführungen. Das uralte Prinzip von Exerzitien, Meditation und Gebet.

Zudem kann mit diesen erweiterten Inhalten die Theodizeefrage anders beantwortet werden, denn nun ist deutlich, nicht Gott lässt das Böse in der Welt zu, sondern der Mensch in seinem freien Handeln. Gott hat die Welt geschaffen und das Böse darin mit zugelassen, damit sich der Mensch aus Freiheit für das eine oder andere entscheiden kann. Der Mensch entscheidet, ob er etwas Gutes tut, oder ein Böses zulässt. Kein anderer. Je mehr er sich sein Wissen und seine Erkenntnisfähigkeit ausgebildet hat und moralische Kräfte geübt, um so eher kann er sich allen Verfehlungen widersetzen.  Damit wird der richtigen Autorität des Menschen das Wort gesprochen und nicht fremden Autoritäten bzw. Gesetzen und Vorschriften. Der Mensch ist seit einiger Zeit herausgelöst aus der göttlichen Führung und sich selbst übergegeben. Er muß erkennen und selbst frei entscheiden. Gott hat uns dazu - nicht einer Institution - die Vollmacht übergeben.


Resume'

Das kirchlich geprägte Bild über das nachtodliche Geschehen hat uns über Jahrhunderte alle tief geprägt. Etwas anderes zu denken, fällt heute oft schwer. Diese kirchliche Lehre hat uns „eingeredet", dass man über den Bereich des Nachtodlichen nichts genaues wissen kann. Die Zeit zwischen Tod und Auferstehung, deren Dauer man nicht kennt, liegt in einer Art Dunkelheit und schwachen Vermutungen, aber großen Hoffnungen, dass sich am jüngsten Tag alles zum Guten wenden werde. Der Mensch hat in dieses Erlösungsgeschehen wenig Wissen und daher auch wenig Einfluss, außer er bekennt seine Schuld. Dann wird alles gut.

In der anthroposophischen Lehre, die als „Erweiterung der Inhalte des Christentums" zu verstehen ist, steht jeder Mensch mit seinem göttlichen Keim im Mittelpunkt des göttlichen Werdegeschehens. Er ist selbst verantwortlich für alles was er tut, er gestaltet sein Leben, oder nicht, er greift ein und übernimmt Verantwortung, er erkennt die Folgen seines Tuns bewusst und reguliert sich durch innere Prüfung ständig, um in diesem zielstrebigen Tun zur jeweils höheren seelischen Stufen heranzureifen. Je bewusster der Mensch im Irdischen  wird, um so höher steigt er im Himmel auf und um so lichter wird es um ihn. Damit er ein „Sohn Gottes" werde.

Diese so unterschiedlichen Sichten zweier christlichen Strömungen,  können unterschiedlicher nicht sein. Dies ist sehr bedauerlich, denn hier geht es um den Plan Gottes und das Ziel der Menschheit. Nur eine These kann richtig sein.

Schon 1974 hat der heutige Papst Benedict in einer Schrift über Jenseits des Todes" einen Aufruf an die Theologen formuliert, in dem er über
  • die „unsterbliche Seele",
  • den „Dualismus" als trennendes Prinzip einer einheitlichen menschlich göttlichen Sicht und
  • den Ausgleich unserer irdischen Taten
philosophiert und am Ende dazu ermuntert, Schranken bisherigen Denkens zu überwinden. Er schlussfolgert, dass die hiesige Seele identisch mit der gestorbenen Seele auf der anderen Seite ist und Aufgaben und Verantwortungen von hier nach da und umgekehrt getragen werden. Der „alte Dualismus", der das irdische Sein vom kosmischen Sein vollkommen abtrennte (Kant), wird innerhalb seiner umfassenden Gedanken zu einer neuen harmonischen Einheit: dem Monismus. Alles ist eins : irdische Welt und geistige Welt. Und dann haben, so der Papst, die Dinge, die wir hier tun, auf der anderen Seite Konsequenzen, die nicht einfach mit der Gnade Gottes beantwortet werden können!

Heute können wir im Nachhinein sagen, dass die Thesen bisherigen kirchlichen Denkens, aus der christlichen Strömung der ersten Jahrhunderte kamen, in der man bestrebt war, wegzukommen von platonischer und aristotelischer Philosophie, hin zur reinen Glaubenslehre, was zur Folge hatte, dass eine zeitlang nicht mehr „gedacht" wurde, sondern empfunden. Auch darin ist über Jahrhunderte die Lehre von der Wiedergeburt und dem Schicksalsgesetz auf der Strecke geblieben. Man malte sich ein einfaches Bild von der Erlösung im Rahmen der großen Liebe Gottes. Alles Theologische war im Glauben verankert. Die Kirche behielt dabei durch strenge Regelwerke ihren Einfluss auf die Seelen und diese ließen alles über sich ergehen. Sie hatten weder Verstand noch Kraft sich dagegen aufzulehnen. Es passte zudem niemals in die Prinzipien der autoritären Kirche, dass der Mensch selber Schöpfer seines Werdens sein könne. Damit wäre ihr ein großer Teil ihrer Macht genommen. Die Wahrheit ist jedoch, dass dem Menschen ab einem gewissen Zeitpunkt alle Macht der Entwicklung in die Hände gegeben ist und er nun die volle Verantwortung für das Geschehen im Plan Gottes hat.

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Rudolf Steiner, GA 94-37:

„Die „höhere Weisheit" wurde während Tausenden von Jahren als tiefes Geheimnis im Schoß der okkulten Bruderschaften, den Mysterien, bewahrt.

Man mußte ihnen angehören, um auch nur die Anfangsgründe ihrer Wissenschaften kennenzulernen. Und um in sie einzutreten, mußte man durch schwere Prüfungen schreiten und einen Schwur leisten, die geoffenbarten Wahrheiten nicht zu mißbrauchen.

Aber die Bedingungen der menschlichen Natur, insbesondere des menschlichen Verstandesbewußtseins, haben sich gänzlich verändert, schon seit dem 16. Jahrhundert und besonders seit hundert Jahren, unter der Wirkung der wissenschaftlichen Entdeckungen. Durch die Wissenschaft ist eine bestimmte Zahl von „Wahrheiten" aus dem Reich der Natur und des sinnlich Wahrnehmbaren, die einstmals nur den Eingeweihten bekannt waren, Gemeingut geworden. Was heute die Wissenschaft kennt, war einstmals ein Mysterium. Die Eingeweihten haben schon immer gekannt, was mit der Zeit alle Menschen wissen sollten. Deswegen hat man sie auch Propheten genannt. Man muß hinzufügen, daß das Christentum eine große Veränderung in der Einweihung gebracht hat. Die Einweihung ist nach Jesus Christus nicht mehr dieselbe wie vorher. Wir können sie nur verstehen, wenn wir uns Rechenschaft geben von der Weiter-entwicklung der menschlichen Natur und uns an dieser Stelle ins Gedächtnis zurückrufen, welches die sieben Wesensglieder des Menschen sind und welche jeweilige Wirkung sie haben"........



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